13.10.2007

Jimmy in der Stadthalle in Melle

erzählt von Anita

Nachdem wir uns nach dem gemeinsamen Ausflug in den Secret Forest in Rüsselsheim im "Gloria" von Isa, Andrea, Uli und Anja verabschiedet hatten, haben wir noch einen Stadtrundgang bis zum Main und zu den Opel-Villen gemacht. Dann wurde es Zeit, unser Gepäck zu holen und zum Bahnhof zu gehen.

In Köln hatten wir etwas Zeit beim Umsteigen und sind vor den Bahnhof gegangen. Ich war das erste Mal in Köln, die Spitzen des Doms hatte ich nur mal aus der Ferne beim Vorbeifahren gesehen. Umso erstaunter war ich natürlich, dass der Bahnhof gleich vor den Stufen des Doms ist. Ich bin ganz schnell mal hineingegangen, von außen ist das Mauerwerk durch die Umweltverschmutzung ja ganz schön schwarz und schmutzig, aber drinnen die Fenster sind wunderschön, diese Farbenpracht im Sonnenlicht. Zu einem Rundgang war keine Zeit, der nächste Zug nach Melle über Osnabrück fuhr bald.

Als wir in Melle aus dem Bahnhof kamen, sahen wir, dass der "Bayrische Hof" gleich am Bahnhofsvorplatz war. Ein sehr kleines Zimmer mit knarrenden Dielen, aber keine Einflugschneise über uns und am nächsten Morgen ein ganz ausgezeichnetes Frühstück. Wir haben dann den üblichen Stadtrundgang gemacht, weil ich ja auch wissen wollte, wo am Abend das Konzert stattfindet.

Eigentlich kann man sich da gar nicht verlaufen, ich konnte aber doch. Im Lampenlicht sah alles ganz anders aus, und dort, wo ich hätte links abbiegen müsse, da bin ich weiter geradeaus gegangen. Die Fans waren wohl schon alle in der Stadthalle, denn die Straßen waren ganz leer. Irgendwann sah dann alles ganz fremd aus, ich bin umgekehrt und war dadurch wesentlich später in der Stadthalle, als ich eigentlich wollte. Aber etwas Besseres hätte mir gar nicht passieren können.

Der Saal ist nicht sehr groß, 11 Reihen mit 12 oder 13 Sitzen und total voll. Der nette Herr am Einlass fragte mich, ob ich allein sei und schickte mich auf den Rang, da wäre noch ein Stuhl frei. Und dann sagte er noch, so richtig beruhigend, auf der Bühne, das wäre erst die Vorgruppe. Die Treppe zum Rang war auch voll besetzt, auf dem kleinen Rang standen 5 Stühle, der in der Mitte war für mich. Ganz an der Seite saßen die Techniker. Die gaben einem Paar, das nach mir kam, noch einen Stuhl ab. Und da oben hat man natürlich eine sehr gute Sicht.

Als Vorgruppe spielten Noah Finn, Jimmy sagte später, dass sie seine Web-Seite für ihn gemacht haben. Die 3 legten sich voll ins Zeug und bekamen auch den verdienten Beifall dafür. Der Frontmann erzählte zwischendurch, dass sie vorher in der Garderobe doch etwas Angst gehabt hätten, vor lauter Kelly-Fans zu spielen.

Um 21Uhr war die Gruppe fertig, baute ab und Jimmy und seine 3 Musiker (Schlagzeug, Gitarren, Piano oder Keyboard, ich weiß nicht genau) bauten auf. Gegen 21.15 kam Jimmy, schwarzes Hemd, schwarze Hose, kurze Haare und begrüßte sein Publikum. Er war bis auf ein Solo von seinem Gitarristen mit der Pianistin die ganze Zeit auf der Bühne und hat das ganze Konzert mit vollem Körpereinsatz, vollem Gitarreneinsatz und vollem Stimmeinsatz absolviert.

Ich habe versucht, im Dunkeln die Titel mitzuschreiben, hatte danach im Hotel aber einige Schwierigkeiten beim entziffern, da ich den Zettel zwischendurch verdreht hatte. Ich hoffe, dass es einigermaßen richtig ist. Jimmy begann mit "Madre tan Hermosa", sehr verfremdet und sehr eigenwillig interpretiert.

Nach den nächsten beiden Songs, die er hintereinander spielte, sagte er, dass es 2 neue Songs wären. Er kennt oder kann noch nicht alle Akkorde und Texte, er lernt noch, aber irgendwie wäre er dabei, sein ganzes Leben neu zu schreiben.

Dann kam "Mary don't you weep" - wunderschön.

Er sagte dann: "Ich habe Besuch von einem ganz lieben Gast. Ich habe ihn gefragt, ob er ein Lied mit mir singt und er hat "Ja" gesagt. Mein Cousin Adam!" Die beiden haben dann "The fields of Athenrey" gesungen und viel Beifall dafür bekommen. Vor Jahren in den Konzerten hat Adam mir nicht gefallen, er gehörte für mich nicht richtig dazu, aber hier als Gast hat er mir gefallen. Er hat auch sehr gut und stimmgewaltig gesungen. Nachdem Adam die Bühne verlassen hatte, sagte Jimmy, dass ihm das sehr viel bedeutet, dass sie sich lange nicht gesehen hätten, aber das wäre eine sehr lange Geschichte.

Danach kam wieder ein neuer Song und dann das Solo von Pianistin und Gitarrist - sehr souverän gespielt.

Jimmy hatte das schwarze Hemd gegen ein Ringelshirt getauscht und machte weiter mit "New York" und "We get Love".

Jetzt nahm Jimmy zwei Blätter von seinem Notenständer und las den Brief an Barby und sang danach "Hold my Hand". Mein Englisch ist nicht so gut, ich habe nur einzelne Passagen verstanden, aber nachdem Isa den Text mit Übersetzung gepostet hat (Dankeschön Isa), weiß ich, dass ich das doch richtig interpretiert hatte. Es war sehr berührend, wie er den Brief vorgelesen hat, seine Körperhaltung dabei, seine Stimme...

Dann ging es weiter mit "Babylon" und unten im Saal stand alles auf und sang mit. Danach "Amen" und nun ein Highlight: Nananananana!!! Ein paar Takte von "Let my people go", dann erzählte er von "The belly of the fish" und spielte dann richtig "Let my people go". Aus "Lord can you hear my prayer" wurde dann eine große Show mit textsicherem Publikum.

Das war das Ende des Konzerts, aber natürlich musste er noch eine Zugabe geben und endlich, endlich sang Jimmy "Cover the road...".

Natürlich hatte Jimmy irgendwann während des Konzertes auch seine Musiker vorgestellt und ein paar Jokes, wie sein Gang zur Bühnenseite, um sich nach dem Stand des Fußballspiels zu erkundigen um dann zu verkünden, es stände 4:0 für Irland. Dann seine Ansage an seine Musiker, dass das nicht die richtige Tonlage wäre, man sei doch hier in Melle und da sind die Leute doch eher wie die in Dublin und einen Halloweenwitz hat er auch noch erzählt.

Für mich war es ein rundherum gelungenes Konzert. Natürlich gab es Unsicherheiten, Fehler, noch fehlt die Routine, leider oder doch eher Gott sei Dank, denn kleine Fehler machen das ganze menschlicher. Wenn alles absolut perfekt ist, wird es ganz leicht auch steril.

Jani, Du hättest sicher viele falsche Töne gehört. Irgendwann merkte Jimmy, dass seine Gitarre verstimmt ist und sagte ganz entsetzt: „Was, schon seit Babylon?" und reichte sie dann seinem Gitarristen zum stimmen. Die neuen Songs sind natürlich noch fremd und gewöhnungsbedürftig. Aber er hat die neuen gut mit den alten und bekannten gemischt. Und da meine beiden absoluten Lieblingsballaden Nananana und Cover the road dabei waren, bin ich glücklich und zufrieden ins Hotel gegangen und ich freue mich, dass die beiden Konzerte zeitlich so gut zusammenpassten und ich diesen "Abstecher" gemacht habe. Ohne den "Zauberwald" am Freitag wäre ich ganz sicher nicht in Jimmys Konzert gewesen, aber ich fange ganz gewiss nicht an, diese zwei absolut verschiedenen Welten zu vergleichen, sondern ich bin nur froh, dass ich beides haben durfte.

Ganz lieben Dank an Anita für diesen schönen Bericht!