by Uli (19.05.2002)
Schon so lange wollte ich es tun,
Und dann war er plötzlich da, der Tag,
Der Mann mit der Schere schaut mich zweifelnd an,
Ich schließe die Augen, ich will es nicht sehen,
Ganz zaghaft lächle ich dem Mann im Spiegel zu
Ja, der Mann im Spiegel bin wirklich ich,
aber ich hatte Angst davor,
wie sie darauf reagieren würden,
ich hatte Angst davor,
den langen weichen Vorhang zu verlieren,
hinter dem ich mich so einfach verstecken konnte.
ich wusste, heute würde ich es tun,
und auf einmal war es mir völlig egal,
was die anderen dazu sagen würden,
denn es ist mein Leben und es sind meine Haare
und ich allein kann entscheiden, was ich tue.
so als wolle er gar nicht glauben,
dass ich wirklich meine, was ich sage.
Schließlich aber gibt er nach
und ich fühle das kalte Metall der Schere,
ich höre, wie er ihn abschneidet, meinen langen Zopf.
stumm sitze ich da und warte auf das Ergebnis.
Und dann sehe ich dieses Gesicht in dem großen Spiegel,
dieses Gesicht, das mir so fremd ist und doch so vertraut.
Ich kann kaum glauben, dass dieser Mann, den ich im Spiegel sehe,
wirklich ich bin, wirklich und wahrhaftig ich.
und das Lächeln, das ich sehe, gefällt mir gut.
Es kommt mir plötzlich vor,
als sei mit meinen Haaren auch die Maske gefallen,
diese falsch lächelnde Maske, die ich seit Jahren trug,
die mein wahres Gesicht verdeckte.
mein wahres Selbst ist plötzlich wieder da
und ich weiß, ich werde es nie mehr verlieren,
denn heute bin ich stark, viel stärker als früher.
Ich weiß, ich werde mich nie mehr verstellen,
von heute an werde ich nur noch ich selber sein...