First time

by Uli (22.02.2001)

Paris, April 1986:

Seit einigen Jahren lebten die Kellys jetzt schon in Paris, aber noch nie hatten sie sich so schwer getan, sich an einem Ort einzugewöhnen. Hier in dieser riesigen Stadt war alles anders als auf den kleinen Dörfern, in denen sie bisher gewohnt hatten. Joey und Jimmy gefiel es recht gut hier, wenn sie abends nicht unterwegs waren, um in irgendeiner der vielen Metrostationen zu spielen, streunten sie gerne mit den jungen Männern, die sie hier kennen gelernt hatten, im Rotlichtviertel am Place Pigalle herum, der nicht weit von ihrer Wohnung entfernt war. Da gab es so viel zu sehen und zu beobachten, jedes Mal, wenn die beiden Brüder nach Hause kamen, hatten sie eine Menge zu erzählen. Aber Patricia durfte nie mit, Dan Kelly hätte niemals erlaubt, dass seine sechzehnjährige Tochter auch nur einen Blick auf die Prostituierten und die vielen Freier, die sich Abend für Abend dort herumtrieben, geworfen hätte. Seit dem Tod seiner Frau hing er noch mehr an seinen Kindern als vorher und besonders die Mädchen bewachte er geradezu mit einer unglaublichen Eifersucht. Kein junger Mann durfte ihnen zu nahe kommen, ohne dass Dan Kelly energisch einschritt. Manchmal war das gar nicht so einfach, denn Patricia war ein sehr hübsches Mädchen und mit ihrer offenen, freundlichen Art gefiel sie so manchem jungen Franzosen. Aber Patricia interessierte sich nicht für die vielen Jungs, die sie umschwärmten, sie war viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt und immer noch von Trauer um ihre Mutter erfüllt, um sie überhaupt wahrzunehmen. Sie vermisste ihre Mutter sehr, war sie doch ihre engste Vertraute gewesen. Und jetzt hatte sie niemanden mehr, dem sie ihre Sorgen anvertrauen konnte, Kathy war viel zu verliebt in ihren Vincent und ihren Vater wollte sie damit nicht belästigen. So wurde Jimmy mit der Zeit ihr engster Vertrauter. Die beiden Geschwister hingen sehr aneinander, waren sie sich doch unheimlich ähnlich.

Eines Abends versprach Jimmy seiner Schwester, sie mit ins Rotlichtviertel zu nehmen. Sie erzählten ihrem Vater, sie würden noch ein bisschen in die Metrostation gehen, um für die Obdachlosen zu spielen, und er ließ sie gehen, ohne überhaupt zuzuhören, was sie gesagt hatten. Zu stark war die Trauer um seine verstorbene Frau, zu groß die Sorge darüber, wie er seine Kinder ernähren sollte. Das Leben in Paris war teuer und sie hatten wahrlich nicht viel Geld. Deshalb war Dan immer froh, wenn ein paar seiner Kinder zum Spielen gingen und anschließend ein paar Francs mit nach Hause brachten. Voller Aufregung liefen die beiden Geschwister in die „verbotene Zone“, wie sie die Straßen, in denen sich die Bordelle befanden, gerne nannten. Der Mond schien in Paris viel heller zu scheinen als an jedem anderen Ort und Patricia war fasziniert von all den bunten Lichtern, den Huren in ihren aufreizenden Kleidern und ein bisschen auch von der Verruchtheit, die über den Straßen lag. Als Jimmy unbekümmert eines der Etablissements betreten wollte, in dem er schon viele Freundschaften geschlossen hatte, zögerte Patricia hineinzugehen, aber Jimmy zog sie einfach mit sich.

Zögernd und mit weit aufgerissenen Augen betrat Patricia die große Eingangshalle, als sie eine warme, einschmeichelnde Stimme sagen hörte: „Na, sieh mal an, was haben wir denn da? Willst du bei uns anfangen, Kleine, oder was machst du hier?“ Erschrocken drehte sie sich um und erstarrte. Sie blickte in zwei dunkle Augen, in denen ein Feuer zu scheinen schien, in ein Gesicht wie aus Stein gemeißelt und von wilden schwarzen Locken umrahmt. Sie konnte nicht definieren, was in diesem Moment mit ihr passierte, sie stand einfach nur da und starrte ihn an, diesen Mann, den sie nie zuvor gesehen hatte, der sie aber wie magisch anzuziehen schien. „Jean-Paul“, stellte er sich vor, während er sie gewinnend anlächelte, „Jean-Paul ist mein Name und wer bist du, wenn ich fragen darf?“ Seine Stimme hatte einen spöttischen Klang, der Patricia nur noch mehr verwirrte. Sie spürte, wie eine tiefe Röte ihr hübsches Gesicht überzog, und stammelte hastig: „Ich heiße Patricia und ich bin mit meinem Bruder hier!“ Hilfesuchend sah sie sich nach Jimmy um, aber der hatte sich längst mit einer der Damen verzogen und ließ es sich gut gehen. Sie wollte sich umdrehen und nach draußen gehen, aber sie konnte nicht, sie war wie gefangen von diesem Blick, diesem atemberaubend gutaussehenden Mann. "Komm, Kleine, dein Bruder wird schon wiederkommen, setz dich und trink etwas mit mir.“ Nein, wollte sie sagen, aber ihr Verstand schien einfach auszusetzen. Patricia wusste nicht, was mit ihr los war. Ihr Herz klopfte wie verrückt und in ihrem Bauch schienen tausend Schmetterlinge zu tanzen.

Zögernd setzte sie sich auf einen der kleinen Plüschsessel und alles um sie herum schien zu verschwimmen. Sie sah nur noch ihn, seine Augen, seinen Mund, und hatte plötzlich das Verlangen, ihn zu küssen. Ihr wurde heiß, ganz heiß und sie spürte, dass sie sofort den Raum verlassen musste, aber sie konnte nicht. Jean-Paul schenkte ihr ein Glas Champagner ein und sie trank es aus, viel zu schnell. Der Alkohol stieg ihr zu Kopf und sie begann, wild drauflos zu plappern, während sie seine Blicke auf ihrem Körper spürte. Als Jimmy endlich wiederkam, stürzte sie sofort auf ihn zu. „Komm, wir müssen gehen“, rief sie und rannte aus dem Bordell, ohne Jean-Paul noch einmal anzusehen. Zu Hause konnte sie nicht schlafen. Sie musste immer wieder an diesen Mann denken, sein schönes Gesicht, seine dunklen Augen und seine Hände, wunderschöne Hände. Ohne es zu wollen, wünschte sie sich, diese Hände würden ihren Körper berühren. Es schien ihr, als habe dieser Mann die Frau in ihr geweckt.

Am nächsten Tag ging Patricia auf den großen Flohmarkt in Paris, sie liebte es, auf Flohmärkten zu stöbern, und schon bald fand sie einen Stand, an dem wunderschöne silberne Schmuckstücke verkauft wurden. Sehnsuchtsvoll nahm Patricia ein silbernes Armband in die Hand, es war das schönste Schmuckstück, das sie je gesehen hatte, aber viel zu teuer. „Na, gefällt es dir?“, hörte sie eine Stimme hinter sich zu sagen und ohne sich umzudrehen wusste sie, wem die Stimme gehörte. Jean-Paul. Viel zu schnell drehte sie sich um, grüßte ihn nur kurz und rannte davon. Völlig außer Atem setzte sie sich auf eine kleine Bank und versuchte, ruhig zu werden, aber es gelang ihr nicht. Ihr ganzer Körper schien zu beben, schien sich nach der Berührung dieses Mannes zu sehnen, den sie nicht einmal kannte. Es dauerte nicht lange, da hatte er sie eingeholt. „Was ist nur los mit dir, Kleine?“ fragte er und plötzlich lag eine ungeahnte Zärtlichkeit in seiner Stimme. Er setzte sich neben sie und legte den Arm um sie, ganz sanft. „Du zitterst ja, Kleine“, meinte er dann, „frierst du?“ Frieren? Mitten im Sommer? Oh nein, Patricia fror nicht, es war seine Nähe, die sie erzittern ließ. Sanft nahm er ihr Gesicht in beide Hände und schaute ihr tief in die Augen. „Du brauchst keine Angst vor mir zu haben“ sagte er zärtlich und sie glaubte, der Blick seiner Augen würde sie verbrennen. Er lud sie ein, mit ihm ein Eis zu essen, und langsam, ganz langsam begann Patricia ihre Schüchternheit abzulegen. Sie unterhielten sich angeregt und der Nachmittag verging wie im Flug.

Als sie nach Hause kam, wartete Jimmy schon auf sie. „Wo warst du?“ herrschte er sie ungewohnt heftig an. Sie sah in seinen Augen, dass er ihr nicht glaubte, als sie ihn anlog, zum ersten Mal in ihrem Leben. „Du warst bei ihm, oder?“ fragte er nur und sie nickte. Dann erzählte er ihr, Jean-Paul sei ein Zuhälter, ständig auf der Suche nach jungen Mädchen für sein Bordell. Er bat sie, sich nicht mehr mit ihm zu treffen und sie versprach es ihm, obwohl sie wusste, dass sie es nicht halten würde. Jede freie Minute schlich sie sich aus dem Haus und traf sich mit ihm. Sie war verliebt, zum ersten Mal in ihrem Leben war sie richtig verliebt und nie im Leben hätte sie geglaubt, dass Jean-Paul sie für sein Bordell haben wollte, nein, nicht sie, vielleicht andere Mädchen, aber nicht sie. Er war so lieb zu ihr, so zärtlich. Es machte ihr nichts aus, dass er fast doppelt so alt war wie sie, sie wollte einfach nur mit ihm zusammen sein, mit ihm lachen, mit ihm an ihrem geheimen Platz an der Seine in der Sonne sitzen... Drei Monate traf sich Patricia fast jeden Tag mit Jean-Paul, ohne dass es jemand merkte, dann lud er sie eines Abends zum Essen ein in ein ganz vornehmes, teures Lokal und sie wusste, sie würde einen Weg finden, sich mit ihm zu treffen. Ihre neue Freundin Julie wolle sie besuchen, erzählte sie ihrem Vater und er glaubte es, was hätte er auch für einen Grund gehabt, ihr zu misstrauen? Nur Jimmy sah sie argwöhnisch an, aber er sagte nichts.

Patricia nahm ein Bad, zog ihr schönstes Kleid an und schminkte sich ein bisschen. Sie schwebte wie auf Wolken, fühlte sich wie in einem Traum. Heute Nacht sollte es passieren, heute wollte sie Jean-Paul ihre Unschuld schenken, auch wenn sie ein wenig Angst davor hatte. Als er sie ansah, sah sie die Begierde in seinen Augen, aber auch eine Traurigkeit, die sie noch nie zuvor darin gesehen hatte. Zärtlich küsste sie ihn und flüsterte ihm ins Ohr: „Heute Nacht will ich dir gehören, Jean-Paul!“ Während des Essens sprachen sie beide kein Wort, eine fast unerträgliche Spannung schien plötzlich in der Luft zu liegen. Sie schauten sich nur an und beide wussten, was passieren würde. Er führte sie ein wunderschönes Zimmer mit einem breiten Doppelbett und Patricia zitterte vor Sehnsucht, so stark war ihre Liebe zu ihm. Ganz langsam, ganz behutsam streifte er ihr das Kleid vom Körper und begann, sie zu küssen, überall, während sie vor Sehnsucht zu vergehen glaubte. „Komm“, flüsterte sie leise, „komm zu mir, ich will dich spüren!“ Als er sich zu ihr legte, wusste sie ganz genau, was sie wollte und auch, dass sie es jetzt wollte, hier und jetzt. Sie schaute ihm in die Augen und flüsterte: „Ich liebe dich, Jean-Paul, du weißt ja gar nicht, wie sehr ich dich liebe!“ Die Traurigkeit in seinen Augen schien sich noch zu verstärken, sie schienen noch dunkler zu werden und dann, ganz plötzlich, stand er auf und zog sich an. „Es tut mir leid, Patricia, ich kann nicht. Es darf einfach nicht sein. Du wirst es jetzt nicht verstehen, aber glaub, mir eines Tages wirst du mir dankbar dafür sein. Wir dürfen uns nie wiedersehen!“ Als er das Zimmer verließ, wusste Patricia, dass es vorbei war, vorbei, bevor es überhaupt richtig begonnen hatte. Sie versuchte nicht, ihn wiederzusehen, ging nur ein letztes Mal zu Julie, der jungen Hure, mit der sie sich angefreundet hatte, um sich von ihr zu verabschieden. Kurze Zeit später verließen die Kellys Paris und zogen nach Deutschland, aber Patricia konnte Jean-Paul nicht vergessen. All ihre Beziehungen zerbrachen, weil sie nicht fähig war, einem Mann wirkliche Liebe zu geben und erst viele Jahre später, als sie Denis kennen lernte, konnte sie wieder einen Mann lieben, von ganzem Herzen lieben.

Köln, Juli 2000:

Hektisch wühlte Patricia in ihrem Kleiderschrank. Sie suchte ein passendes Kleid für ihre standesamtliche Trauung mit Denis, die in wenigen Wochen stattfinden würde, aber sie konnte sich nicht entscheiden, was sie anziehen sollte. Wohl oder übel würde sie sich ein neues Kleid kaufen müssen, denn sie wollte schön sein für ihren Liebsten, die schönste Frau der Welt wollte sie für ihn sein. Sie liebte Denis abgöttisch und sie war mehr als dankbar für seine Liebe, die so groß war, dass sie ihm bedingungslos vertraute. Versonnen betrachtete sie das Bild auf ihrem Nachttisch, das sie und Denis zeigte, kurz nachdem ihre Liebe begonnen hatte, und ganz plötzlich sah sie ein anderes Gesicht vor sich, ein schönes, wie aus Stein gemeißeltes, von wilden schwarzen Locken umrahmt und mit dunklen Augen, in denen ein Feuer zu brennen schien. Warum musste sie in letzter Zeit so oft an ihn denken, an ihn, an Jean-Paul, ihre erste große Liebe, den Mann, der ihr das Herz gebrochen hatte? Patricia nahm an, es sei die Aufregung vor ihrer Hochzeit, die die alte Erinnerung wieder lebendig werden ließ, aber sicher war sie sich nicht. Es war so ein komisches Gefühl, das sie immer hatte, wenn sie an ihn dachte, als ob dieses Gefühl ihr etwas sagen wollte, aber sie wusste nicht was. Was wohl aus Jean-Paul geworden war??

In diesem Moment klingelte das Telefon. Eine Mitarbeiterin der Kel-Life GmbH war am Apparat und bat Patricia, kurz ins Büro zu kommen, da sei ein wichtiges Telegramm aus Paris für sie eingetroffen. Aus Paris? Wer konnte ihr aus Paris ein Telegramm schicken? Wieder drängte sich Jean-Paul in ihre Gedanken. Sie fuhr ins Büro und las das Telegramm: „Patricia, bitte komm, es ist wegen Jean-Paul. Er wird sterben und es ist sein letzter Wunsch, dich noch einmal zu sehen. Bitte komm schnell, du weißt, wo du mich findest. Julie.“ Julie, ihre Freundin von damals. Patricia musste sich setzen. Plötzlich kam es ihr vor, als sei es erst gestern gewesen, dass sie Paris verlassen hatte. Jean-Paul! Was war mit ihm? Sie rief Denis an und er reagierte genau so, wie sie es erwartet hatte. „Wir fliegen in zwei Stunden“, sagte er nur, als er ins Büro kam, die Tickets hatte er schon besorgt. Wie sehr sie ihn liebte für sein Verständnis. Auf dem Flug erzählte Patricia ihm alles und er nahm sie nur in den Arm und hielt sie ganz fest.

Im Bordell in Paris erfuhr sie dann, dass Jean-Paul im Krankenhaus läge und bald sterben würde. Er hätte sich schon in jungen Jahren mit Aids infiziert und befinde sich im Endstadium. Aids!! Was hatte er damals zu ihr gesagt? Eines Tages würde sie ihm dankbar sein?? Hatte er das damit gemeint? Patricia fuhr sofort mit Julie ins Krankenhaus und bat Denis, vor dem Zimmer zu warten. Sie versuchte, ihren Schreck nicht zu zeigen, als sie ihn sah. Blass und abgemagert lag er in dem viel zu großen Bett, nur noch ein Schatten seiner selbst. Er würde schon seit Tagen nur noch vor sich hindämmern, erzählte ihr Julie, und die Ärzte meinten, er könne jede Stunde sterben. „Patricia?“, hörten sie plötzlich eine schwache Stimme. Sie nahm seine Hand und sagte leise: „Ja, Jean-Paul, ich bin hier!“, während sie spürte, wie ihr Tränen übers Gesicht liefen. Er war nicht mehr der Mann, den sie geliebt hatte, vor ihr lag ein Sterbender, aber in seinen dunklen Augen schien noch das gleiche Feuer wie damals zu brennen und das Lächeln um seinen Mund war immer noch ein wenig spöttisch. Er bat sie, mit ihm in den Garten zu gehen, noch einmal wollte er die Sonne sehen, noch einmal mit ihr im warmen Gras sitzen so wie früher in Paris an der Seine.

Die Ärzte erfüllten ihm seinen letzten Wunsch und brachten ihn in den Park des Krankenhauses. Dort lag er in Patricias Armen und alle Schmerzen, die er in den letzten Wochen erleiden musste, schienen vergessen. Er konnte nicht viel sprechen, zu sehr strengte es ihn an, aber da war noch etwas, das er ihr unbedingt sagen wollte: „Als du weg warst, verschwand die Freude aus meinem Leben, Patricia, ich habe dich so sehr geliebt, mehr, als ich es dir sagen kann, und ich tue es noch. Du bist die Frau meines Lebens und bist es immer gewesen. Deshalb konnte ich nicht mit dir zusammen sein, konnte ich nicht mit dir schlafen, verstehst du das? Ich wusste es, auch damals schon. Ich hätte dir den Tod gebracht und du hattest dein ganzes Leben noch vor dir!“ Patricia weinte hemmungslos. Warum hatte er ihr es nicht gesagt? So viele Jahre hatte sie gelitten, weil sie nicht wusste, warum er sie weggeschickt hatte. Aber das alles war jetzt plötzlich nicht mehr wichtig. „Es wäre sicher schön gewesen mit uns beiden oder?“ hörte sie ihn mit schwacher Stimme fragen und sie nickte nur und versuchte, unter Tränen zu lächeln. Mühsam holte er ein Päckchen aus der Tasche seines Morgenmantels. „Pack es aus, Patricia, bitte“, flüsterte er. Es war das silberne Armband, das sie damals auf dem Flohmarkt so sehnsuchtsvoll betrachtet hatte. „Ich habe es gekauft für dich, damals, ich wollte es dir so gerne schenken, aber ich wusste nicht, wann ich es dir geben sollte!“ Ja, er hatte sie wirklich geliebt, das war Patricia jetzt klar. Ganz langsam wischte er ihr die Tränen aus dem Gesicht und flüsterte: „Ich weiß, dass wir füreinander bestimmt sind. Wir werden uns wiedersehen, irgendwann, in einem anderen Leben, und dann wird unsere Liebe sich erfüllen. Würdest du mich küssen, ein letztes Mal?“ Patricia zitterte, zitterte wie damals, als sie sich zum ersten Mal geküsst hatten. Sie hatte kein schlechtes Gewissen, denn dieser Kuss hatte mit ihrer Liebe zu Denis nichts zu tun, es war ein Kuss für die Ewigkeit. Dann schlief er einfach ein und sie saß noch lange im Park und hielt ihn in ihren Armen, während sie spürte, wie sein Atem immer langsamer wurde. Kurz bevor er starb, öffnete er ein letztes Mal die Augen: „Je t’aime, ma petite, je t’aime“, flüsterte er und dann erlosch das Feuer in seinen Augen. Denis nahm sie einfach nur in die Arme und Patricia liebte ihn dafür mehr als je zuvor. Sie blieben noch bis zu Jean-Pauls Beerdigung, dann flogen sie nach Köln zurück.

Patricia und Dennis heirateten einen Monat später und sie sind sehr glücklich miteinander. Sie freuen sich über jeden Tag, den sie zusammen verbringen dürfen, hatten sie doch gerade gesehen, wie schnell alles vorbei sein kann. Und manchmal, in der Nacht, wenn der Mond besonders hell am Himmel steht so wie damals in Paris, dann ist Patricia in ihren Träumen in einem anderen Leben, dann ist sie bei ihrer anderen großen Liebe, der ersten ihres Lebens: bei Jean-Paul.

Für Patricia: Ich wünsche dir alles Glück der Welt mit deinem Denis!