You belong to me

by Uli (20.04.2001)

Es war die Nacht, bevor Denis zu einem zweiwöchigen Seminar nach Russland abreiste. Noch nie war Patricia so lange von ihrem Mann getrennt gewesen und sie vermisste ihn jetzt schon, obwohl er noch gar nicht fort war. „Denis, weißt du eigentlich, wie sehr ich dich liebe?“, flüsterte sie ihm ins Ohr, während sie engumschlungen auf ihrem breiten Doppelbett lagen. „Was auch immer passiert, wir gehören zusammen, du und ich!“ Denis antwortete nicht, konnte nicht antworten, weil sie schon im nächsten Moment seinen Mund mit ihren Lippen verschloss. Patricia spürte seine Hände, die zärtlich und doch fordernd ihren Rücken streichelten und dann unendlich behutsam die dünnen Träger ihres Nachthemdes herunterstreiften. Bewundernd schaute er sie an, als habe er sie noch nie vorher gesehen, während Patricia vor Sehnsucht nach ihm die Augen schloss. Niemals hätte sie gedacht, dass sie einen Mann so sehr lieben, sich ihm so bedingungslos hingeben könnte. Ihr Körper reagierte so sehr auf seine Zärtlichkeiten, dass es sie manchmal fast erschreckte. „Komm zu mir Denis“, flüsterte sie und nur wenige Minuten später waren sie vereint in ihrer Leidenschaft. Sie schliefen kaum in dieser Nacht, bis zum Morgengrauen liebten sie sich immer wieder und Patricia glaubte zu zerspringen vor Glück. Ja, sie gehörten zusammen, er war der Mann, auf den sie immer schon gewartet hatte. Sie liebte ihn immer noch so sehr wie am ersten Tag, vielleicht sogar noch mehr. Und auch wenn es mit dem Kind, das sie sich beide so sehr wünschten, bisher nicht geklappt hatte, Patricia war nicht traurig darüber. Sie war sich ganz sicher, eines Tages würden sie ihr Wunschkind in den Armen halten.

Als sie Denis am nächsten Morgen zum Flughafen gebracht hatte, fuhr sie nach Köln. Ein wenig einkaufen wollte sie, aber eigentlich wollte sie sich nur ablenken von ihrer Sehnsucht, die sie jetzt schon nach Denis hatte. Zwei Wochen ohne ihn, wie sollte sie das nur aushalten? Sie parkte ihr Auto auf dem kleinen, abgelegenen Parkplatz, auch wenn sie wusste, dass Denis das gar nicht gern hatte. Es sei zu gefährlich, meinte er immer, aber was sollte schon passieren? Schließlich gab es nicht mehr viele kostenlose Parkplätze in Köln und bis zur Innenstadt waren es nicht mehr als 15 Minuten zu Fuß. Zufällig traf Patricia eine alte Freundin in der Stadt, sie aßen zusammen und die Zeit verging wie im Flug. Als Patricia auf dem Parkplatz ankam, auf dem ihr Auto stand, war es schon ziemlich dunkel. Fast keine Autos standen mehr da, alle schienen bei dem schlechten Wetter die wohlige Wärme ihrer Wohnung vorzuziehen. Fröstelnd zog Patricia ihren Mantel ein wenig enger um sich und beschleunigte ihren Schritt. In Gedanken war sie schon wieder bei ihrem Mann, als sie den Schlüssel in das Schloss ihres kleinen Autos steckte. Und dann ging alles so schnell, dass sie keine Chance hatte, darauf zu reagieren: Eine Hand presste sich von hinten auf ihren Mund, sie hörte keuchenden Atem und sie spürte die kalte Klinge eines Messers an ihrer Kehle. „Rein da“, herrschte eine heisere, erregte Stimme sie an und warf sie auf den Rücksitz ihres Wagens. Patricia wollte schreien, aber sie brachte keinen Ton heraus. Sie spürte harte, schwielige Hände, die ihr die Kleider vom Körper zerrten, und hörte nur dieses Keuchen an ihrem Ohr. Sie wollte sich wehren, aber es ging nicht, er war stark, viel stärker als sie, und hielt das Messer die ganze Zeit an ihren Hals gedrückt. Patricia schloss die Augen und fing an zu beten, zu beten, dass es schnell vorüber sein würde, während der Ekel in ihr immer stärker wurde.

„Nein!!“, wollte sie schreien, aber kein Ton kam aus ihrem Mund. Schemenhaft nahm sie wahr, wie der Mann seine Hose öffnete, und dann war er auch schon über ihr. Wie ein wildes Tier fiel er über sie her, mit brutaler Gewalt nahm er sich, was er wollte, während Patricias Körper zu Eis zu erstarren schien. Sie spürte seine Hände auf ihren Brüsten, seinen übelriechenden Atem an ihrem Hals, und wünschte sich, sie würde einfach ohnmächtig werden, aber sie erlebte alles bei vollem Bewusstsein. Sie versuchte, an Denis zu denken, aber es gelang ihr nicht. Ihr wurde übel von dem Geruch des Mannes und von dem, was er mit ihr tat. Es konnten nicht mehr als zehn Minuten vergangen sein seit er sie überfallen hatte, aber Patricia kam es vor, als ob es eine ganze Ewigkeit gedauert habe, bis er endlich fertig war und von ihr abließ. Über sein Gesicht hatte er eine Strumpfmaske gezogen, die nur einen Blick auf seine Augen zuließ: Kalte, gierige Augen. Patricia wusste, dass sie diese Augen in ihrem ganzen Leben nie vergessen würde und sie wusste auch, dass nichts mehr so sein würde wie vorher. So schnell wie er gekommen war, verschwand der Mann, und Patricia blieb zurück, allein auf dem dunklen Parkplatz, mit zerrissenen Kleidern und einer zerbrochenen Seele.

Wie in Trance fuhr sie nach Hause, riss sich die zerfetzten Kleider vom Leib und legte sich dann in die Badewanne in der verzweifelten Hoffnung, sie könne den Schmutz, den er über sie gebrachte hatte, einfach abspülen, sie könne das Geschehene einfach wegwaschen. Aber das Gegenteil war der Fall: Klarer als während der Vergewaltigung selbst hatte sie die Szenerie vor Augen, es kam ihr vor, als erlebe sie alles noch einmal, und sie fühlte sich so furchtbar schmutzig und allein. Und am schlimmsten war, dass sie nicht einmal weinen konnte, ihr ganzer Körper schien tot zu sein, getötet von einem wildfremden Mann, der sich auf brutale Weise Befriedigung an ihr verschafft hatte. Als Denis anrief, redete sie ein paar belanglose Worte darüber, was sie in der Stadt gekauft hatte, mehr nicht. Er durfte es nicht erfahren, niemals, wie sollte er ihren beschmutzten Körper noch lieben können nach allem, was passiert war? Er merkte sofort, dass etwas nicht in Ordnung war, aber sie erzählte ihm nur, dass sie sich nicht wohl fühlte und gleich ins Bett gehen würde. Die nächsten zwei Wochen verbrachte sie in einer Art Trance, mechanisch erledigte sie ihre Arbeit, aber es kam ihr vor, als lebe sie gar nicht mehr, und sie hatte schreckliche Angst vor ihrem Wiedersehen mit Denis.

Blass und schmal stand sie dann am Flughafen, um ihn abzuholen. Er sah sofort in ihren Augen, dass etwas nicht stimmte, aber wie hätte er das Schreckliche ahnen können? Ihre körperlichen Wunden waren inzwischen verheilt, aber die in ihrer Seele würden niemals heilen. Als er sie an sich zog, spürte er, dass ihr Körper zu erstarren schien. „Patricia, was ist los?“ fragte er ganz behutsam, aber sie antwortete nicht, sah ihn nur stumm an und flüsterte dann: „Nichts, Denis, es ist alles in Ordnung, ich habe dich nur so schrecklich vermisst!“ In dieser Nacht konnte sie zum ersten Mal nicht mit ihm schlafen. Sie hatte so gehofft, dass die Berührungen seiner Hände, dass seine Küsse die alte Leidenschaft in ihr wecken würden, dass alles einfach wieder so sein würde wie früher, aber so war es nicht. Schon als er sie küsste, glaubte sie plötzlich, diesen üblen Atem zu riechen, und als seine Hände zärtlich über ihre Brüste strichen, fühlte sie harte, schwielige Hände, die sich ihren Körper mit Gewalt nahmen. Sie fühlte sich, als sei ihr Körper zu Eis gefroren, und es gab nichts, was sie dagegen tun konnte. Denis hielt sie lange in seinen Armen, hielt sie einfach nur fest. Er konnte sich nicht erklären, was passiert war, was er falsch gemacht hatte. Er liebte Patricia so sehr, sein Körper begehrte den ihren und er sehnte sich nach ihren Berührungen. Noch einmal ließ er seine Hände unendlich zärtlich über ihren Körper wandern und sie ließ es geschehen, aber als er ihr das Nachthemd über den Kopf ziehen wollte, trafen sich ihre Augen und er sah sofort, welchen Ekel sie empfand. „Was ist passiert, Patricia?“ fragte er noch einmal, obwohl er wusste, dass er keine Antwort bekommen würde.

Einige Wochen ging das so, dann wurde Patricia krank. Sie fühlte sich müde und schlapp und ihr war ständig übel. Fast den ganzen Tag verbrachte sie im Bett, bis Denis sie fast gewaltsam zu ihrem Hausarzt brachte. Als sie ein paar Tage das Ergebnis des Bluttests bekamen, kam es Patricia vor, als würde sie ein zweites Mal vergewaltigt. Sie war schwanger!! Und sie wusste genau, dass nicht nur ein Mann als Vater ihres Kindes in Frage kam. Denis war so glücklich, dass er im ersten Moment ihre Fassungslosigkeit gar nicht erkannte. Er brachte sie nach Hause, packte sie ins Bett und las ihr jeden Wunsch von den Augen ab. Patricia aber konnte keine Freude empfinden. Die Vorstellung, der Vater ihres Babys könne der Mann sein, der sie so brutal vergewaltigt hatte, überstieg ihr Vorstellungsvermögen. Noch nie in ihrem Leben war sie so verzweifelt gewesen. Endlich schien ihr größter Wunsch wahr zu werden und jetzt konnte sie nur kalte Gleichgültigkeit empfinden für dieses kleine Wesen, das da in ihrem Bauch heranwuchs. Aber eine Abtreibung kam nicht in Frage, wie hätte sie es erklären sollen?

Es war ein wunderschöner Winterabend, Patricia lag auf dem Sofa und Denis streichelte zärtlich ihren sich langsam wölbenden Bauch. „Ich liebe dich, Patricia“, flüsterte er, „dich und unser Kind, ein Kind der Liebe!“ Langsam begann er, sie zu küssen, und sie fühlte wieder dieses Gefühl des Ekels in sich aufsteigen, aber sie versuchte, es zu verdrängen. Denis war ihr Mann, sie konnte sich ihm nicht ewig verweigern. Seine Küsse wurden intensiver, fordernder, ganz langsam zog er ihr die Kleider aus und seine Hände begannen, ihren kalten Körper zu liebkosen. Sie schloss die Augen und versuchte, sich nur auf ihre Liebe zu ihm zu konzentrieren, das Bild des Mannes zu verdrängen, aber es ging einfach nicht. Als sie Denis’ warmen Atem and ihrem Hals und seine Hände auf ihrem nackten Körper spürte, glaubte sie, es nicht mehr ertragen zu können. „Nein“, schrie sie, „nein, lass mich, ich kann nicht!“ Erschrocken ließ er sie los und schaute sie fragend an. „Patricia“, meinte er dann, „ich kann nicht länger so leben. Ich liebe dich, aber ich habe das Gefühl, dass du mich nicht mehr liebst. Was ist passiert?“ Die Verzweiflung in seinen Augen war so groß, dass plötzlich alles aus ihr herausbrach. Sie schrie es ihm ins Gesicht und endlich konnte sie weinen, Schluchzen schüttelte ihren Körper, während er sie in seinen Armen hielt.

„Verstehst du es jetzt?“, fragte sie dann unter Tränen. „Dieses Kind – ich kann es nicht lieben, weil ich nicht weiß, ob es dein Kind ist, Denis.“ Sie hätte mit allem gerechnet, damit, dass er schreien würde, toben, weil sie ihr Auto auf diesem verdammten Parkplatz abgestellt hatte, damit, dass er sie verlassen würde, aber nicht mit dem, was er tat. Er schaute sie lange an und sagte nur: „Oh Gott, es tut mir so leid, Patricia, dass ich dich so bedrängt habe, aber ich konnte es doch nicht wissen... Dieses Kind, Patricia, ist unser Kind, ich weiß es. Es ist entstanden, weil wir beide uns so sehr lieben, und es wird zu uns gehören, so wie wir zusammen gehören, verstehst du das? Weißt du nicht mehr, was du mir immer gesagt hast? Wir gehören zusammen, für immer, egal, was auch geschieht! Und dieses Baby ist die Krönung unserer Liebe, hörst du. Ich bin sein Vater und werde es immer sein! Lass dieses Monster nicht unser Leben zerstören, bitte!“ Jetzt war es Denis, der weinte. War es wirklich so einfach? Patricia konnte es nicht glauben, aber sie spürte, wie ihr Körper langsam wieder zum Leben erwachte. Sie wollte versuchen, diesem fremden Mann die Macht über ihr Leben zu entziehen. Zitternd zog sie Denis sein Hemd über den Kopf und begann, seinen Körper mit Küssen zu bedecken, während sie die alte Leidenschaft in sich aufsteigen fühlte. Denis stöhnte leise auf unter ihren Berührungen. So sehr hatte er sich nach ihr gesehnt, so sehr hatte er ihre Liebkosungen vermisst. Mit jedem Kuss, mit jeder Berührung verblasste Patricias Erinnerung an das schreckliche Erlebnis ein bisschen mehr. Niemand konnte es ungeschehen machen, aber sie wusste plötzlich, dass sie damit fertig werden würde mit der Hilfe des Mannes, den sie liebte. Nie zuvor hatten sie sich so zärtlich und mit solcher Hingabe geliebt wie in dieser Nacht.

Wenige Tage später wurde Patricia mit starken Blutungen ins Krankenhaus gebracht. Ihr Körper schien sich gegen das ungeborene Kind zu wehren und sie fühlte sich schuldig deshalb, weil es ihr immer noch nicht gelang, wahre Liebe für ihr Baby zu empfinden. Ihr Arzt erklärte ihr, dass sie den Rest der Schwangerschaft liegen müsse, um das Kind nicht zu gefährden, und es war Denis, der seinem ungeborenen Kind all die Liebe zu geben versuchte, die es jetzt dringend brauchte. Tag und Nacht saß er an Patricias Bett, streichelte ihren Bauch und sprach mit dem Baby. Die Ärzte taten alles, um die Geburt so lange wie möglich hinauszuzögern, aber sechs Wochen vor dem errechneten Termin setzten bei Patricia die Wehen ein und ließen sich auch durch wehenhemmende Medikamente nicht mehr stoppen. Um das Leben des Babys nicht zu gefährden, entschlossen sich die Ärzte zu einem Kaiserschnitt, und wieder war es Denis, der seine kleine Tochter Anne nach der Geburt in den Armen hielt und sie in der Welt begrüßte. Als Patricia aus der Narkose erwachte und ihren Mann mit ihrem kleinen Mädchen neben ihrem Bett stehen sah, weinte sie vor Glück. Es war plötzlich egal, wer Annes leiblicher Vater war, mit ihrer Geburt verlor der fremde Mann alle Macht über Patricia. Sie würde diesem Baby all ihre Liebe schenken und würde alles dafür tun, dass es glücklich werden würde.

Die kleine Anne war so winzig und so zerbrechlich, aber sie war eine Kämpferin wie ihre Mutter. Alle Krisen überstand sie und drei Monate später durften Patricia und Denis ihre Tochter endlich mit nach Hause nehmen. Sie hatten ihr ein wunderschönes kleines Kinderzimmer hergerichtet und freuten sich auf ihr neues Leben. Als Denis’ Eltern aus Russland anreisten, um sich ihr erstes Enkelkind, auf das sie sich so sehr freuten, anzuschauen, nahm Denis’ Mutter die kleine Anne auf den Arm und wiegte sie sanft hin und her. Patricia verstand nicht, warum sie ihr plötzlich den hellblonden Flaum hinter den kleinen Ohren wegstrich. Denis Mutter lächelte stolz, als sie sagte: „Schau doch, Denis, sie hat ihn auch, den Leberfleck, der sich in unserer Familie von Generation zu Generation vererbt, genau wie bei dir ist er hinter ihrem linken Ohr. Sie ist deine Tochter, das wirst du niemals leugnen können!“ Patricia hatte Tränen in den Augen, als sie den kleinen Fleck betrachtete. Er hatte eine ganz besondere Form, sah ein bisschen aus wie ein kleines Kleeblatt. Als ihre Schwiegertochter plötzlich in Tränen ausbrach und ihrem Mann etwas ins Ohr flüsterte, nahmen Denis’ Eltern an, sie sei einfach noch ein bisschen sentimental von der schwierigen Schwangerschaft und der aufregenden Geburt ihrer kleinen Tochter. „Verzeih mir, Denis“, flüsterte Patricia unter Tränen, „verzeih mir, dass ich gezweifelt habe. Du hattest Recht: Wir gehören zusammen, wir beide und unsere kleine Tochter, ein Kind der Liebe, wir werden immer zusammen gehören, egal, was auch geschieht!“